Connys Welt … oder "higher than heaven" ;-)

Beiträge mit Schlagwort ‘Frustration’

Handwerker im Haus


Heute war endlich ein Handwerker bei mir, der unser Küchenfenster repariert hat. Es ließ sich nicht mehr öffnen. Seit Anfang April meldete ich das immer wieder der Wohnungsgesellschaft. Endlich fertig! Und das bei dieser Hitze! Endlich kann ich wieder lüften und mich in der Küche aufhalten und kochen, ohne einzugehen.

Da er den Stift von oben nicht mehr rein gekriegt hat, hat er ihn von unten reingeschoben und kurzerhand ein Loch ins Holz gebohrt und eine Schraube reingeschoben. 🙄

Nicht schön, aber praktisch 🙄.

Hier im Haus wird nicht mehr viel gemacht, weil der ganze Block leergezogen wird. Die halbe Straße ist schon leer. Unsere Häuser werden entweder saniert oder abgerissen. Wir wissen aber noch nicht, wann.

Dafür bin ich nicht zuständig …. weitere Arztgeschichten


Ich muss jetzt was loswerden. Bin gerade etwas neben der Spur. Zum Glück hat meine Tochter mir ihren Laptop dagelassen. So kann ich meine Erlebnisse, die mich total durch den Wind schicken, mal eben aufschreiben.

Bin gerade mal wieder vom Orthopäden zurück – frustriert – durcheinander – enttäuscht – und mit unverminderten Rücken- und Fußschmerzen.  2 Stunden war ich jetzt da. Es ist heiß – fast 30 °C. Ich hab Migräne und Rückenschmerzen und mir ist schlecht.  Zuerst die Wartezeit von 1 1/2 Stunden trotz Termin (und ich habe die 15 Minuten, die ich  aus Höflichkeit zu früh gekommen bin, nicht dazugerechnet.) Es ist nicht so, als wäre es voll gewesen in der Gemeinschaftspaxis mit 4 Ärzten. Nein – vor mir war noch 1 Frau im Wartezimmer, nach mir kamen noch 8 Personen dazu, davon sind 6 vor mir dran gekommen.  Ich bin NICHT als Notfall gekommen (wo man immer mit sehr langen Wartezeiten rechnen muss, aber nur morgens kommen darf), sondern hatte einen anständigen Termin wegen meiner Rückenschmerzen.  Wenn ich nicht nach 1 1/4 Stunden gefragt hätte, ob sie mich vergessen haben, würde ich vermutlich jetzt noch da sitzen. Zumindest hatte ich flüchtig den Eindruck. Ich schaue auf meinen Terminzettel. Da steht fett obendrüber: „Bei Terminen mit einem X müssen Sie mit längerer Wartezeit rechnen“ – mein Zettel hat kein X.

Dann war ich endlich dran. Naja, so ganz dran noch nicht. Im Sprechzimmer habe ich nochmal 15 Minuten bei geschlossenen Fenstern und Türen gewartet, bis  endlich jemand kam. Ich war kurz davor, wieder nach Hause zu gehen. Dann kam Dr. H (den ich heute zum 2. Mal sehe, nachdem er vor 2 Wochen notfallmäßig auf meinen eingeklemmten Meniskus geschaut hat),  begrüßte mich, fragte nach dem Knie und ob die Bestrahlung geholfen hätte.  Ich bejahte und sagte ihm, dass ich immer noch die schlimmen Rückenschmerzen und  die Fußschmerzen wegen des Fersensporn  hätte und das kaum aushalten würde. Wegen des Knies wäre ich jetzt nicht hier. Dafür soll ich ja noch das MRT abwarten, was ich irgendwo außerhalb machen lassen soll, nachdem die Bestrahlung fertig ist  (gestern hatte ich letzte).

Mein Rücken und der Fuß haben ihn aber nicht interessiert. Er hat an meinem Knie gedreht, geschoben, gedrückt und meinte, das wäre zwar schon deutlich besser, aber dass ich das nächsten Dienstag operieren lassen sollte. Hä?? Ja – der dann zuständige Arzt Dr. D wäre zwar jetzt im Urlaub, er könnte ihn aber anrufen  und dann könnte der mich nächsten Dienstag operieren.  Auf das MRT bräuchten wir dann nicht warten.  Operiert werden müsste ich sowieso, auch wenn das jetzt deutlich besser wäre als noch vor 2 Wochen. Weggehen würde das nicht von alleine.

Nein, das will ich nicht. 1. will ich eine OP vermeiden, wenn das möglich ist. Aber OK, wenn es nicht anders geht, muss ich das ja machen. Aber auf keinen Fall schon nächste Woche!  2. kenne ich Dr. D gar nicht und er hat nicht mal draufgeschaut und soll direkt schneiden? und 3. bin ich wegen der nicht auszuhaltenden Rückenschmerzen und dem furchtbar schmerzenden Fersensporn heute hier.  Ich habe genug Schmerzen ausgehalten in den letzten Jahren und bin mutig genug, zum Arzt zu gehen und bereit, mich behandeln zu lassen.  Wie soll ich denn nach einer Knie-OP laufen, wenn ich rechts operiert werde und links den FS habe – dazu noch die verschobene Bandscheibe? Bilde ich mir die Probleme nur ein oder läuft hier irgend was falsch? Ich fühle mich total überfordert und überrumpelt und halte das alles für ziemlich spontan und unüberlegt. Außerdem bringen meine Migräne und mein Rücken mich gerade um.

Dr. H meint, ich sollte mir das überlegen und vorne an der Anmeldung die Termine machen und will gehen. Ich frage ihn, was jetzt mit meinem Rücken und dem FS ist und dass ich starke Schmerzen habe. Er meint, dafür wäre er nicht zuständig, er hätte mich nur 2 x als Notfall zwischen Tür und Angel gesehen und ich sollte meinen Arzt darauf ansprechen. Ich: „Meinen Arzt? Welchen Arzt denn jetzt? Den Hausarzt oder Dr. St., bei dem ich sonst hier immer bin?“ Er schaut kurz in den PC, meint dann, dass Dr. D (der operieren soll) mein Arzt wäre. Wie jetzt? Dr. D. kenne gar nicht. Das muss der gewesen sein, der vor Jahren mal 1 x hallo zu mir gesagt hat und mich dann wieder zu Dr. St. geschickt hat. Er hat mich nie untersucht oder irgendein Gespräch mit mir geführt. Und jetzt ist er im PC als mein Arzt registiert? Wie geht das denn? In den letzten 15 oder mehr Jahren, in denen ich jetzt alle paar Jahre mal in diese Praxis gehe, war immer nur Dr. St. für mich zuständig (das ist der, der beim letzten Mal gefragt hat, wer denn mein Arzt wäre).

Das habe ich Dr. H auch gesagt. Er meinte nur, dass ich bei Dr. St. kaum einen Termin kriegen würde und wenn, dann erst in ein paar Monaten.  Hallo??? Ich habe JETZT Schmerzen – und schon lange.  Soll ich jetzt wieder gehen? Wozu hab ich dann für heute einen Termin gemacht wegen des Rückens? Konnte man mir an der Anmeldung nicht sagen, dass ich sowieso nicht behandelt werde – und wenn überhaupt, dann nur das Knie? Ich habe ausdrücklich bei der Terminabsprache gesagt, dass ich die Rückenschmerzen nicht aushalte. Und jetzt soll ich gehen. Und am besten nächste Woche mein Knie operieren lassen. Mein Knie interessiert mich gerade überhaupt nicht. Das heilt. Zumindest tut es nicht mehr so weh und ich kann sogar wieder schlafen.

Dr. H meint, dass ich wegen des FS und Rückens nochmal kommen soll. Ich hätte den FS ja auch schon lange. Ich hab ihm erklärt, dass ich vor 1 1/2 Jahren auf beiden Seiten einen FS bekommen habe, weil ich schlechte Schuhe getragen habe über den Sommer. Der rechte FS ist jetzt abgeheilt – nach 1 1/2 Jahren Dauerschmerz, aber jetzt dreht der linke völlig auf.  Was kann ich tun? Er meinte, ich hätte ja sicher schon Einlagen bekommen. Nein, habe ich nicht. Ich hab gar nichts bekommen außer einer Diagnose. Keine Hilfe, keine Heilung. Ich wurde weggeschickt -so wie jetzt.  Er meinte, den FS könnte man super mit Stoßwellentherapie heilen. Das müsste ich aber selbst bezahlen. Kosten: 90 Euro pro Sitzung – mindestens 3 müsste ich haben. Erfolgsquote liegt bei 90 %. Na super – wie soll ich das denn machen? Ich hab keine 90 Euro/Woche zum Leben für uns beide – da soll ich die Behandlung selbst bezahlen? Er zuckt mit den Schultern,schreibt mir noch 4 Bestrahlungen für mein Knie auf,  meint, ich soll das mit meinem Arzt klären, sagt tschüss und geht.

…. ich bleibe sitzen … wie betäubt … ungläubig …. gedankenleer … mein Körper tut weh. Ich kann kaum meine Schuhe wieder anziehen.

Die Sprechstundenhilfe, die noch im Zimmer ist, erklärt mir, dass Dr. St. keine Zulassung oder so für das Röntgen hat und deshalb hallo gesagt und mich zu Dr. St geschickt hat. Dr. St wäre mein Arzt.  Aber ich könnte auch zu Dr. D gehen, der dan die OP macht, der könnte auch FS und Rücken.

Vorne an der Anmeldung bekomme ich neue Termine, nachdem ich ihr die Geschichte erzählt und um Hilfe gebeten habe: einen für Dr. St. – im August. Einen Ende des Monats bei Dr. Dr. mit der Option auf eine OP am 30. Juli, nachdem sie ebenfalls mit Dr. H gesprochen hat und gefragt hat, ob ich nächsten Dienstag operiert werden kann. Dann müsste sie mir JETZT Blut abnehmen wegen der OP.

????

Bahnhof!!!!

Ich bin zwar immer noch nüchtern (habe nur einen Schluck Wasser getrunken) wegen der Migräne, aber JETZT Blut abnehmen wegen der OP NÄCHSTE WOCHE? Heute ist Dienstag, oder? Eine Woche im voraus? Macht man das so? Ich komme aus meiner Verwirrung gar nicht mehr raus.

Er meint, das ist mir überlassen, ob ich nächste Woche oder beim nächsten Termin operiert werde.

Sie macht mir also die Termine für die Ärzte und 4 Termine für die Bestrahlung, gibt mir 2 Zettel, auf denen die stehen.

Als ich wieder im Auto sitze und versuche, meine Gedanken wieder zu sammeln, fällt mir auf, dass der Zettel für die Bestrahlungstermine nur meinen Namen, aber keine Termine enthält.  Seufzend schleppe ich mich nochmal in die Praxis, bekomme 3 Termine. Für den 4. gäbe es noch keinen Kalender im PC, das soll ich dann abkären, wenn es soweit ist.

???

Jetzt bin ich zuhause. Mein Kopf platzt immer noch. Mein Rücken tut weh, Mein Fuß auch. Mein Knie weniger. Mir ist schlecht. Gegessen habe ich immer noch nicht. Es ist halb 6. Meine Tochter hat angerufen, dass sie später kommt, also brauche ich noch nicht kochen. Könnte ich jetzt auch gar nicht.

Am liebsten würde ich alles absagen, gar nicht mehr hingehen. Das überfordert mich alles. Ich verstehe überhaupt nichts mehr und beim nächsten Mal, wenn ich hingehe, weiß ich immer noch nicht mehr. Und ich gehe dann wieder ohne Behandlung und Linderung nach Hause? Wozu das Ganze? Wozu?

Ich bin kein Arztgänger, gehe nur, wenn ich den Kopf schon unterm Arm habe und wirklich überhaupt nichts  mehr geht,  fühle mich aber jetzt einfach nur wie eine unfähige Patientin, die nichts mehr blickt. Die Depri ist nah …

Du bist einfach zu dick


Mir ist gerade wieder einmal was „Nettes“ passiert:

Ich war in der Küche und habe Milchreis als Nachtisch für das Wochenende gekocht. Nebenbei habe ich einen Kuchen gebacken.  Nach langer Zeit hatte ich einfach mal wieder Lust darauf und irgendwie habe ich das Gefühl, als würden wir noch Besuch bekommen.  Alle paar Wochen kommt meine Schwester mal spontan am Samstag zu uns zu Besuch.

Der Reis war fast fertig, aber noch etwas hart. So hab ich den Herd einfach nochmal angemacht, um ihn nachgaren zu lassen.  Während ich den Kuchen aus dem Ofen geholt und zum Abkühlen auf die Spüle gestellt habe, sprach mich von draußen durch das geöffnete Küchenfenster mein Nachbar an.  Er fragte mich, ob ich eine große Schraube für ihn hätte und zeigte mir eine Beispielschraube.  Da ich glaubte, so eine Schraube zu haben, habe ich in meiner Werkzeugkiste nachgesehen und tatsächlich eine ähnliche Schraube gefunden, die ich ihm über die Balkontüre angegeben habe. Er hat mich in ein Gespräch verwickelt und irgendwann gefragt, warum ich immer so komisch schief laufe. Ich hab ihm dann erzählt, dass ich mir das Knie und den Rücken verknackt habe.

Er meinte daraufhin einfach nur: „Du bist einfach zu dick! Du musst abnehmen!“,  drückte seine Kippe an der Hauswand aus und schmiss sie wie gewohnt in den Garten.  Mir ist das Wort im Hals steckengeblieben und ich war erstmal sprachlos. Dann bin ich (obwohl ich es besser wissen sollte) in die Verteidigung gegangen und habe ihm erklärt, dass ich von den Tabletten und der Depri so dick geworden bin und das nicht am Essen liegt. Seine Antwort war, dass er auch ne Depression hätte, aber das Zeug nicht schlucken würde, weil man von „Cortison“ (?) dick wird und das alles Quatsch wäre. Ich hätte doch nur in den Beipackzettel kucken müssen und dann hätte ich das gesehen. Ich  hab mich dann wieder verteidigt und gesagt, dass ich damals sogar meinen Psychiater darauf angesprochen habe, dass ich davon zunehme und dieser nur gemeint hätte, das könnte gar nicht sein. Ist aber so! Und das geht nicht nur mir so! Viele meiner Ex-Kollegen und Bekannten mit Depris sind von den Medis 20 – 30 kg schwerer geworden. Bei mir waren es 25 kg. Zu meinen ursprünglichen 60 kg kamen 10 kg, die nach der Schwangerschaft geblieben sind (nicht weiter schlimm) plus 10, die blieben, nachdem ich mit dem Rauchen aufgehört habe (trotz Sport und Diät).  10 weitere kamen durch den Streß auf der Arbeit (andere nehmen ab, ich nehme zu, wenn ich Streß habe). Und jetzt noch die durch die Krankheit. So bin ich so dick geworden.

Mein Nachbar meinte, dass Diäten auch Quatsch wären und ich Sport machen müsste. Na super! Was für eine Erkenntnis! Was hätte ich nur ohne meinen superschlauen Nachbarn gemacht? Sport! Na sowas! …. Ach ja – das war ja das, was ich die letzten 1 1/2 Jahre zwei Mal in der Woche in der Gruppe gemacht habe. Könnte Sport auch gewesen sein, dass ich 3 x in der Woche Nordic Walking gemacht habe? Könnte es auch Sport gewesen sein, was ich mit Peziball, Gummibändern, Seilchen und anderen Sportgeräten zuhause gemacht habe? Vom Tanzen einmal abgesehen? … Nöööö – kann ja nicht. Sonst wäre ich ja nicht so fett, oder?  Alles angefressen natürlich – die 1200 kcal, an die ich mich immer noch meistens halte (wenn ich sie überhaupt zusammenkriege, weil ich überhaupt keinen Hunger habe) – machen mich so fett.

Ach ja – zu dem eingeklemmten Meniskus und dem Bandscheibenschaden fällt mir noch ein, dass ja nur FETTE Leute krank werden. Sportler haben so was ja gar nicht! Ich bin so dumm! Danke, Nachbar, dass du mir die Augen geöffnet hast. Es liegt alles nur an meinem Fett!

Und noch etwas fällt mir ein: Vor einer Weile habe ich auch eine sehr „freundliche“ mail von einer mir unbekannten Frau bekommen, dass ich fette und faule Sau nicht so viel schreiben und jammern soll, sondern lieber Arbeiten gehen soll, anstelle rechtschaffenden Leuten durch meine Frührente auf der Tasche zu liegen.

Nett, oder?

Leider kann ich der Frau nicht per mail antworten, weil die Adresse gesperrt ist. Aber eins möchte ich dazu sagen: Ich hab mir das nicht ausgesucht, krank zu werden. Ich war immer sehr fleißig und zuverlässig, loyal und zu Höchsteinsätzen bereit. Seit ich 14 Jahre alt war (als meine Muter starb), habe ich alleine einen Haushalt geführt und war früh arbeiten. Ich habe immer sehr viel geleistet – für meine Familie, die Familie meines Ex und meine Arbeitgeber. Also halte die Klappe, wenn du keine Ahnung hast! Du bist nie  in meinen Schuhen gelaufen!

Mir fällt gerade nichts mehr ein und ich würde am Liebsten alles hinschmeissen, nicht mehr vor die Tür gehen und einfach aufgeben. Ich weiß, das geht gleich wieder vorbei – muss ja. Es gibt so viel zu tun und zu denken, damit auch dieser Monat irgendwie klappt. Aber jetzt gerade in diesem Moment hab ich einfach keine Kraft.

pfffff ……..

Aähm – mein Milchreis ist auch angebrannt. Irgendwann habe ich das gerochen und bin in die Küche gestürzt (so schnell es eben geht) und habe dann nur noch ein qualmendes Etwas auf dem Herd gefunden.   pppfff – was solls? Ich bin eh zu fett, oder? 😦

Mobbing am Arbeitsplatz – Teil 1


Wie es der Zufall will, habe ich gerade einen aktuellen Artikel mit dem Titel  „Mitarbeiter empfinden Jobs bei Amazon als „entwürdigend““ bei „derwesten.de“ gelesen, in dem „Ilka Meier“ erzählt, wie es bei „Amazon“ zugeht, wenn man da angestellt ist.
Sie schreibt z.B. „Und dann schildert sie von den morgendlichen Zusammenkünften, bei denen alle Kollegen vor einem Vorgesetzten stehen und Fragen beantworten müssen. Oder aus der Gruppe nach vorne kommen müssen, wenn sie gelacht oder auch nur „Hej!“ zu einem Kollegen gesagt haben. „Das hat etwas mit Vorführen zu tun“, sagt die 44-Jährige. „Und mit Schikane.““

mobbing gerd altmann pixelio

(Quelle: Gerd Altmann / pixelio.de)

Und mir wird übel, wenn ich daran denke, dass es bei mir genauso war. Ich durfte auch nicht Lachen oder jemanden freundlich grüßen, wenn die 4. Person in der Nähe war, weil ich dann auch direkt zusammengepfiffen und gefragt wurde, ob ich „eigentlich nichts zu tun hätte“. Ein wenig Frieden hatte ich nur, wenn ich mit gesenktem Kopf und möglichst „klein und unsichtbar“ in ihrer Nähe war. Für jemanden wie mich, die gerne fröhlich ist und sich um ihre Mitmenschen kümmert, war das oft gar nicht so einfach und ich konnte und wollte das auch nicht immer durchziehen. Manchmal war es mir einfach egal, ob ich mir nach meiner Freundlichkeit mal wieder heftig eine eingefangen habe. Allerdings hatte es IMMER harte Konsequenzen, dessen war ich mir sehr schnell bewusst. Zur Strafe bekam ich immer unmögliche Aufgaben, die ich kaum bis gar nicht erfüllen konnte bzw. bei denen ich wieder vorgeführt wurde und die sehr unangenehm waren. Und ich empfand das ebenfalls nur als Schikane, aus der ich allerdings nicht entfliehen konnte.

„Ilka Meier beschreibt weiter:
„Hinzu kam das dreifache Schlangestehen und Passieren der Sicherheitsschleuse am Tag (morgens, zur Pause und beim Ausgang), die ständige Überwachung und Kontrolle bei der Arbeit selbst und immer wieder die Angst vor Abmahnungen: Wenn man im Treppenhaus nicht den Handlauf benutzt hat, wenn das Paket falsch gepackt wurde oder sich das Klebeband löste, wenn man vergaß, die Werbung hineinzulegen – oder auch , wenn man zu oft auf Toilette ging. „Innerhalb des ersten Tages habe ich so viel von Vorschriften und Verboten gehört, dass ich dachte, das ist Dreck, hier zu arbeiten. Und dann noch so eingepfercht. Das war einfach entwürdigend. So etwas habe ich vorher nie erlebt.“ Dabei, betont sie, „habe ich gar kein Problem damit, dass ich mich an Regeln halten muss. Aber hier bekommt man das Gefühl, dass man nicht mehr als Mensch wahrgenommen wird, sondern als Produktionsmaschine.““

Diese ständige Kontrolle und Überwachung meiner Arbeit kenne ich auch nur zu gut. Ganz besonders ist mir das bei meiner Tätigkeit im Schreibdienst und im Krankenhaus mit Person 4 aufgefallen. Sei es durch die Kontrolle der Toilettengänge (wobei die beiden Cheffinnen sich tatsächlich Notizen über die Dauer und Häufigkeit aller Mitarbeiter  gemacht haben und uns auch darauf angesprochen haben). Ebenso ging es um banale Sachen wie das akkurate Ausrichten von Papierstapeln oder der dezente Hinweis, dass eine Blumenvase nicht in ein Büro gehört. (Ach? Echt nicht? Also – ICH finde Blumen sehr schön und meinen Besuchern fielen sie auch immer positiv auf. Ich fürchte, GERADE DESHALB wollten meine Cheffinnen nicht, dass ich einen kleinen Blumenstrauß oder eine Topfpflanze auf dem Tisch oder der Fensterbank habe. Ich glaube ebenfalls, dass gerade deshalb die eine oder andere Blume daher zu Bruch ging, weil man ja GENAU AN DIESE Stelle ganz dringend einen großen Stapel Papiere ablegen musste). Mir dreht sich immer noch der Magen um, wenn ich daran denke. Wie arm und frustriert müssen diese Menschen gewesen sein, dass sie es nötig haben, jemanden ständig so zu drangsalieren? Ich habe ja einen seeeeehr langen Geduldfaden und sehe über viele Dinge einfach hinweg. Aber steter Tropfen höhlte auch meine Schale irgendwann aus und ich fühlte mich einfach nur noch ständig verletzt.

Quelle und vollständiger Text:
http://www.derwesten.de/staedte/kamen/mitarbeiter-empfinden-jobs-bei-amazon-als-entwuerdigend-id7360265.html

feuer und flamme_by_I.Friedrich_pixelio.de

(Quelle: I. Friedrich / pixelio.de)

Ich hatte auch wunderbare Arbeitstellen, z.B.  mit einem Chef, der sehr klug war und es nicht nötig hatte, auf  dieser mentalen, untersten Schiene zu arbeiten. Als ich seine sehr guten und logisch nachvollziehbaren, wenn auch sehr komplizierten Fachtexte im Schreibdienst abgetippt habe, kam in mir zum ersten Mal der Wunsch auf, eine Sekretärin sein zu wollen. Ja – ich stehe darauf, wenn sich jemand sehr gut und verständlich ausdrücken kann!  Er stellte hohe Ansprüche – an sich selbst und an andere – und er konnte sie auch meistens erfüllen. Mich reizte die Herausforderung, besonders anspruchsvolle und knifflige und auch außergewöhnliche Aufgaben in Angriff zu nehmen und ihm sehr gut zuarbeiten und ihn somit unterstützen zu können. Es war ziemlich hart – besonders am Anfang. Er hatte nie zuvor eine Sekretärin gehabt. Wir mussten uns in vielen Bereichen erstmal zusammenraufen. Aber er hat mir als Vorgesetzter von Anfang an die helfende Hand gereicht und mich auf sein Level mitgenommen. Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, mit seinen enormen Ansprüchen zu wachsen und ich habe bei ihm so viel gelernt, wie nie zuvor. Wir haben uns beide gegenseitig immer weiter gebracht und viele neue Impulse gegeben. Ich habe sehr, sehr viel gearbeitet und hatte kaum Privatleben, aber ich habe es genossen, dass ich diejenige sein konnte, die das alles mitgetragen hat und nicht unter der Last der Arbeit, der Komplexität der Aufgaben, der unmöglichen Wege, der Erarbeitung neuer Programme und der besonderen Zusammenarbeit davongelaufen ist, sondern sehr viel Neues lernen konnte. Auch innerhalb der Firma sind wir sehr innovative Wege gegangen und haben neue Lösungen einführen können. Das war genau mein Ding und ich war Feuer und Flamme für diesen Job (passend zur Abteilung 😉 ! Ich hatte zwar ständig irgendwo tief in mir die Angst, dass ich den Ansprüchen nicht genügen würde oder dass auffällt, dass ich gar nicht viel weiß und in vielen Fällen inkompetent bin. Diese Angst kenne ich ja schon aus meiner Kindheit und sie ist bis heute geblieben.  Ganz oft konnte ich nicht schlafen, weil ich nicht wusste, ob ich die Aufgaben am nächsten Tag schaffen kann oder wie ich die Probleme lösen kann oder ob ich zu dumm dazu bin.  Aber irgendwie hat das immer geklappt. Wäre diese blöde Angst nicht da, wäre es wohl noch besser gelaufen.

Irgendwann wurde unsere Abteilung an eine andere Großfirma verkauft. Es wurde noch härter, wir mussten uns immer weiter verteidigen und rechtfertigen und noch mehr arbeiten. Ich stand immer zu dem, was ich gemacht habe bzw. war immer loyal meinem Chef gegenüber. Er hatte mein Vertrauen – und ich seines. Und wir waren wirklich gut als Team.

Dann wurde ich schwanger und zwei Tage später erfuhr ich, dass unsere Abteilung geschlossen wird. Ironie des Schicksals möglicherweise! Wir haben bis zum Schluss hart weitergearbeitet. Meine Wehen kamen durch diese harte Arbeit 8 Wochen zu früh. Vier Wochen vor dem Geburtstermin kam im September meine Tochter zur Welt.  Zu meiner Hochzeit im März kamen alle Kollegen und auch mein Chef. Zur Geburt bekam ich dann noch vereinzelt Glückwunschkarten und auch einen Besuch von meinem Chef und seinem ersten Mitarbeiter. Danach habe ich nichts mehr von ihnen gehört.

Bei meiner Tätigkeit in einer Klinik hatte ich ebenfalls Vertrauensstellungen. Ich war auch hier direkt unterhalb der Geschäftsführung tätig, hatte mehrere Bereiche zu versorgen, die vorher noch nie zusammengefasst waren. Als ich mit meiner Arbeit angefangen habe, verriet man mir, dass man viel Hoffnung auf mich setzen würde, z.T. zerstrittene Bereiche wieder zentral zusammenzuführen. In gewisser Weise gelang mir das auch, da alles Geschäftliche in irgendeiner Form bei mir ankam und von mir bearbeitet bzw. weitergeleitet wurde. Ich war Schnittstelle zwischen Ärzten und Leitung, Vertrauensperson für Schüler und Lehrer, Anlaufstelle, Telefonjoker, Chefsekretärin der leitenden Stellen, Ansprechpartnerin für Schulungen, Raumreservierung, Umräumen von Räumen, Besprechungszimmer-Vorbereiterin, Rezeptionistin einer Schule und …. blöde Tippse ohne Beachtung für Nr. 4 und bearbeitete nebenbei noch ca. 7000 Bewerbungen pro Jahr. Und das alles als Halbtagsjob (zumindest offiziell). Ich hatte Zugang zu vertraulichen Informationen und Räumen und ich war immer zuverlässig und loyal. Auch hier habe ich sehr viel gearbeitet, Unmengen an Überstunden geleistet, Arbeit mit nach Hause genommen und mir dafür extra einen neuen Computer angeschafft, weil mein alter mit den Programmen nicht mehr klargekommen ist. Diese Arbeitsstelle war meine zweite Wunschstelle in meinem Leben. Auch hier war ich sehr engagiert, Feuer und Flamme, habe geleuchtet und geführt und sehr viel erreicht, auch wenn es sehr schwer war. Und leider hat u.a. das Mobbing von Nr. 4  dazu geführt, dass  mir irgendwann die Kraft und das Licht ausging und ich letztendlich in Frührente gehen musste.

burnout by Petra Bork pixelio

(Quelle: Petra Bork  / pixelio.de)

Fortsetzung folgt …

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