Connys Welt … oder "higher than heaven" ;-)

Beiträge mit Schlagwort ‘Unterdrückung’

Die Anfänge der „organisierten Kriminalität“ – oder „Erinnerungen an Gestern“?


Nächste Woche habe ich Geburtstag. Natürlich muss die Wohnung vorher nochmal in Schuß gebracht werden. Das dauert erfahrungsgemäß immer länger als geplant. Natürlich soll dann auch kein Bügelkorb herumstehen. Das Wetter war herrlich, es war zwar eiskalt draußen, aber die Sonne schien wunderbar. Ich öffnete die Balkontür und richtete es mir gemütlich am Bügelbrett ein.

Durch die offene Balkontüre bekam ich mit, wie plötzlich 7 oder 8 Kinder im Alter von ca. 4 – 8/9 Jahren auf die durch hohe Büsche geschützte Wiese vor meiner Tür kamen. Als ich registrierte, dass sie einen von ihnen ärgerten und schikanierten, hörte ich genauer hin und konnte sie dann auch sehen. Da ich am anderen Ende des Wohnzimmers vor dem Bügelbrett gesessen habe, haben sie mich nicht wahrgenommen. Der Größte von Ihnen bot den anderen Kindern zuerst 1, dann 5 Euro an (er hielt dabei ein 2-Euro-Stück hoch), wenn sie den zweitkleinsten auf den Boden schubsen und dann auch noch richtig nachtreten würden. Ich hab‘ gedacht, ich hör‘ nicht richtig und bin sofort zur Balkontür gegangen und hab‘ ein spontanes Donnerwetter losgelassen. Völlig überrascht schauen alle mich an und hörten quasi just inmitten der Bewegung auf. Auf dem Boden lag der gemobbte Junge – über ihm stand einer mit einem dicken Knüppel, den er noch in der hoch erhobenen Hand hatte. Ich habe mir die Jungs dann der Reihe nach ziemlich wütend vorgenommen und sie gefragt, ob sie das in Ordnung finden, wenn alle sich auf einen stürzen, der dazu noch so klein ist? Der mit dem Knüppel blaffte mich an, dass der Kleine ihn beschimpft hätte. Ich hab ihn sofort angefunkelt und gefragt, ob das ein ausreichender Grund für Prügel wäre. Er bejahte und einer der kleineren stimmte zu. Die beiden hab ich mir nochmal vorgenommen und ihnen erzählt, ich würde ihre Mütter kennen und sie heute Abend mal fragen, ob die das auch so sehen würden. Die beiden wurden blass und spielten die Sache runter: „das war doch alles nur Spaß“. Den auf dem Boden liegenden fragte ich, ob er das auch so sehen würde. Er schaute auf den Boden und nuschelte irgendwas Unverständliches. Den zweiten Ja-Sager (einen kleinen Ausländer) habe ich dann direkt gefragt, was wohl sein Vater oder die anderen Männer in seiner Familie von seinem Verhalten halten würden, wenn sie erführen, dass er für Geld Kleinere auf den Boden schmeißen und noch nachtreten würde. Er wurde erst blass und dann knallrot und schaute verschämt zu Boden. Die anderen (Deutsche und Ausländer) wirkten plötzlich auch etwas stiller. Sie haben sich dann vom Platz zurückgezogen. Kaum waren sie außer Sichtweite, hörte ich, wie es weiterging. Pffffff ….. 😦

Das ist jetzt ein paar Stunden her und geht mir immer noch nicht aus dem Kopf. Vielleicht liegt es daran, dass ich – wie bereits berichtet – als Kind auch oft in der Situation des Kleinen war und immer verzweifelt gewesen bin, wenn alle (auch Erwachsene) weggesehen oder es für „nicht so schlimm“ gehalten haben. So hatten meine Märtyrer immer wieder leichtes Spiel. Selbst Vertrauenslehrer, die ich mal eingeschaltet hatte, haben nichts gemacht. Kaum waren wir aus der Tür raus, lag ich schon wieder im Dreck oder wurde die Schultreppe runtergeschubst – von der 3. Etage bis ins Erdgeschoss. Ich „sollte mich alleine wehren“, sagten alle aus der Familie. Das ist schön gesagt – aber WIE wehrt man sich als Kind gegen eine Gruppe anderer Kinder, die sich aufstacheln lassen?

So kann es doch nicht weitergehen! NEIN!

Ich bin damit noch nicht durch, muss mir da noch einige Male selbst vergeben. Heute lasse ich mir nichts mehr gefallen! Ich weiß, was ich will und habe auch genug Mut, das durch Arbeit an mir anzusehen, zu erkennen und entsprechend auszudrücken und durchzusetzen – auch gegen Widerstände. Das muss ich nicht ständig austesten und hab das zur Genüge geübt. Das geht auch heute noch nicht immer vollkommen schmerzlos ab, aber ich bin jetzt erwachsen.

Und nächste Woche bin ich 48! (sGw)

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„In der Welt habt ihr Angst …“


Der Konfirmationsspruch, den ich mir damals ausgesucht habe, lautete:

„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

(Joh. 16,33).

Passt ja super zu mir!

Manchmal kommt sie wie angeflogen, setzt sich zentnerschwer auf die Brust, verhindert das Atmen, lässt das Blut dröhnend laut in den Ohren rauschen wie die Niagarafälle, zieht gleichzeitig schwer und dickflüssig durch den Körper und blockiert alle vernünftigen Gedanken …… die Angst! Dann geht gar nichts mehr! In ein und demselben Moment möchte ich gleichzeitig fliehen, mich verstecken oder vergraben, drauflosstürmen, die Angst anschreien oder zuschlagen und bin doch einfach nur starr und steif, oft schwindelig und kurz vor der Ohnmacht.  Fühle mich klein, überfahren, hilflos, machtlos. Logisch kann ich das nicht erklären. Mein Inneres schreit spontan und stumm nach einem Retter, der mich aus dieser Situation herausholt, in den Arm nimmt, behütet und beschützt. Der Retter aber kommt nicht. Ich bin alleine mit meiner Angst! Und das war ich schon immer.

Auch als Kind hatte ich oft Angst. Ich habe Angst vor der Dunkelheit. Die Tür zum Kinderzimmer, in dem ich als ca. 3 – 5jährige mit meiner Schwester schlief, musste immer einen kleinen Spalt aufbleiben, solange ich alleine im Zimmer war, damit ein winziger Lichtschein zu erkennen war. Ich fürchtete mich vor den wilden Tieren und Gestalten, die in meiner Phantasie neben meinem Bett auftauchten.  Nachdem ich 5 Jahre alt war und wir umgezogen waren, wurde die Türe  zum Mittagsschlaf und Nachts immer geschlossen, ohne Ausnahme. Ich durfte auch dann auch nicht mehr heraus.  Ich erinnere mich noch sehr gut an  eine von meinem Vater gebastelte Tigermatte, die in der Diele an der Wand hing. Vor der hatte ich besonders viel Angst. Meine Schwester erzählte mir vor ein paar Wochen, dass ich irgendwann  mal so viel geschrieen und Theater gemacht, dass sie abgenommen und versteckt werden musste.  Wie oft habe ich mich alleine in den Schlaf geweint? Und wenn meine Schwester im Zimmer war, bin ich zu ihr ins Bett gekrochen. Oft hat sie mich wieder rausgeschmissen, weil sie für die Schule früh aufstehen musste. Manchmal habe ich mich dann einfach stur vor ihr Bett auf den Boden gelegt. Meine Güte, muss ich eine echte Plage gewesen sein.

Ich habe Angst davor, Schwäche zu zeigen, weil ich für Schwäche  immer bestraft worden bin. Als Kind war ich sehr schüchtern. Nur sehr selten habe ich mich getraut, jemanden anzusprechen und nach irgendwelchen Dingen zu fragen. Meine Mutter hat damals immer die Krise gekriegt. Ganz egal, ob ich alleine einkaufen gehen sollte und ich mich sorgte, ob ich denn das Richtige in den Wagen packe, wo doch alles gleich aussieht oder ob ich an der Fleischtheke mit den Verkäufern sprechen musste. Ich bin vor Angst davor fast gestorben, weil ich mir total unfähig vorgekommen bin und eigentlich von nichts eine Ahnung hatte, sondern nur vom Zettel ablesen konnte. Es war ja damals auch so, dass man Kindern nicht viel erklärt hat. Die mussten parieren und fertig. Wenn das irgendwo stand, dann stand das so. Da durfte nicht gefragt werden, wie das aussah oder woran man das erkennt oder so. Es wurde buchstabengetreu (sofern man lesen kann) eingekauft. Und wenn man es nicht lesen konnte, musste die Verkäuferin gefragt werden.  Ich fand es immer schrecklich, zum Einkaufen geschickt zu werden und hatte furchtbare Panik davor. Das war für mich jedes Mal ein Höllentrip. Aber es half ja nichts. Da musste ich durch. Meine Mutter hat durch mich mit Sicherheit sehr viele graue Haare gekriegt. Ihr ist auch manchmal die Hand ausgerutscht. Sie konnte das alles nicht verstehen.

Ich hatte auch Angst vor der Schule und vor den Mitschülern. In der Grundschule war noch alles fast normal, bis auf die Tatsache, dass die meisten Schüler sich schon aus dem Kindergarten kannten, in den ich nie gehen durfte. Ich kannte nur die Kinder, die in meinem Block gewohnt haben. Und irgendwie war ich damals schon ein Außenseiter. Ich wollte immer schon viel lernen und aufpassen, habe aber auch in meiner eigenen Welt gelebt. So war ich auf dem Schulhof auch immer ziemlich alleine, was mich aber nicht sonderlich gestört hat, weil ich so meinen Gedanken nachgehen konnte. Ich war immer schon anders als die anderen.  Die Grundschule musste ich 1 x wechseln, weil wir umgezogen sind. Freundschaften haben da nicht gehalten. In der Hauptschule versuchte ich, normal wie die anderen zu sein. War ich aber wohl irgendwie nicht. Schnell wurde ich zum Ziel von Spott und Schlägen und verbrachte die meisten Pausen auf dem Schulklo. Nach einem halben Jahr in der 5. Klasse zog ich mit meiner Mutter  und ihrem Freund und späteren Ehemann ins Sauerland. Dort war ich natürlich noch fremder und konnte noch nichtmal ihre Sprache, woll? Auch hier brachte mich meine merkwürdige und fremde Art sofort an den Rand der Gruppe. Meine Kleidung war nicht modern, ich kannte mich mit den aktuellen Ausgaben der BRAVO nicht aus, war nicht gewohnt, in Shoppingcentern abzuhängen oder Freizeitaktivitäten wie Disco usw.  zu machen. Ich wollte lernen,  fragte nach und war an vielen Dingen interessiert, die Lehrer mochten mich – das reichte schon, um ständig verprügelt und gemobbt zu werden. Ich ging mit Angst zur Schule, verbrachte mit Dauerangst den Tag, die Pausen voller Angst auf dem Klo, weil ich nicht mal da meine Ruhe hatte, ging voller Angst nach Hause, ständig verfolgt und auf der Flucht. Ich hatte in den Jahren zwar ein paar Freundinnen, die ebenfalls Außenseiter waren und andere Schulwege hatten und mir aber auch während der Prügel nicht zur Seite standen, um nichts abzukriegen.  Zur 2. Hälfte der 10. Klasse, die ich damals noch freiwillig gemacht habe, bin ich zurück nach Rheinhausen gezogen, weil meine Mutter gestorben war und ich es bei meinem Stiefvater, der mich thyrannisierte, nicht mehr ausgehalten habe – und war damit wieder einmal fremd. Ich wurde zwar nicht mehr so oft verhauen, aber vorher wusste ich ja nie, ob jemandem eine Laus über die Leber gekrochen ist oder nicht.

Warum ich mich nicht gewehrt habe? Das habe ich versucht. Als ich so ca. 5 oder 6 Jahre alt war, hat mich eine Gruppe Kinder vor unserem Haus in den Büschen verhauen. Warum, weiß ich nicht mehr. Irgendwann lag ich am Boden, ohne Chance.  Unsere Straße wurde gerade frisch gepflastert.  Meine Hand fand einen Pflasterstein, den ich meiner Peinigerin gegen den Kopf geschlagen habe. Platzwunde. Eltern kamen. Polizei kam zu uns nach Hause. Stubenarrest. Schläge. Peinlichkeik und Scham. Danach habe ich mich nicht mehr gewehrt.

Ich habe Angst davor, jemanden mit meinen Problemen zu belasten, weil das so ziemlich mit das Schlimmste ist, was man jemanden zumuten kann.  So habe ich es gelernt.  Niemand dufte über meine bzw. unsere Probleme wissen. Alles blieb immer hinter verschlossenen Türen und muss alleine geregelt werden. Allernotfalls durfte ich etwas ganz zart andeuten, mehr auf keinen Fall. Alles andere hatte heftigste Konsequenzen.  Das ist z.T. heute immer noch so. Innerhalb meiner Geschwister ist es so, dass ich mit meinen Problemen (Depression, finanzielle Probl.,  usw.) alleine bin und nicht bzw. nur im allergrößten Notfall darüber sprechen darf.  Mir wurde und wird gesagt, dass alle ihre eigenen Probleme haben und davon nichts hören wollen. Außerdem habe ich ja alles selbst verschuldet. Eine andere Aussage ist, dass ich eben zu nah am Wasser gebaut bin, zu schwach bin, eine Heulsuse bin und immer schon Problemchen gehabt hätte.

Das stimmt auch. Aber ich bin auch stark und mutig. Ganz oft habe ich die Leute angeführt und bin vorausgegangen – trotz aller Angst. Nach der Schulzeit mit neuen Menschen um mich herum, die nichts von meiner Vergangenheit wussten, ging das.  Aber die Angst ist IMMER da. Vor irgendetwas habe ich immer Angst. Im Büro hatte ich Angst vor dem Telefonieren und vor Fragen, die ich nicht beantworten kann. Ich habe Angst davor, englisch zu sprechen, obwohl ich es mal geliebt habe. Mein Kopf verweigert sogar manchmal, englisch zu lesen. Und es gibt immer mehr Dinge, vor denen ich Angst oder sogar Panik habe. Jetzt traue ich mich nicht mehr auf Rolltreppen, auch nur sehr schwer und mit höchster Not über normale, freihängende Treppen, über Glasübergänge, über Brücken. Höhenangst hatte ich sowieso schon immer und unter die Erde kann ich auch nicht gehen. Glasaufzüge gehen nur mit geschlossenen Augen,  Seilbahnen oder Gitterroste zum Drüberlaufen an Ausflugsorten gehen gar nicht. Angst vor Spinnen und ähnlichen Viechern habe ich auch, sofern sie in der Wohnung sind.  Angst vorm Telefonieren mit Fremden oder halbfremden Leuten habe ich auch. Manchmal habe ich Angst vor Briefen oder davor, Entscheidungen zu treffen, weil ich nie wirklich weiß, ob ich korrekt handle.  Manchmal habe ich sogar Angst vor dem Schlafen.

Ich habe versucht, mich einigen Ängsten zu stellen und das mutig durchzustehen oder mit Gelassenheit und Entspannung anzugehen. Aber unvermittelt und ohne Vorwarnung bekomme ich immer wieder  das Gefühl, ich würde ohnmächtig, mir wird grottenschwindelig und übel, die Beine sacken weg  und ich fühle mich wie kurz vor dem Herzinfarkt oder drehe fast durch innerlich. So bleibt mir mittlerweise nur noch, diese Situationen zu vermeiden, um irgendwie über diese Phasen zu kommen.

Und natürlich habe ich auch ein bisschen Angst davor, diesen blog zu schreiben und vieles über mich sichtbar zu machen. Ich habe Angst vor Kritik und Abwertung, habe auch Angst vor eurer neuen Meinung über mich, besonders, wenn ihr mich immer für stark und souverän gehalten habt.  Aber das alles sind Seiten von mir, die vorhanden sind. Ich bin MEHR als nur ….. .

Ich bin Conny – und vielleicht ist da irgendwo versteckt in mir auch noch die starke Cornelia. Die Hornträgerin (na klar, als Vollblut-Widderfrau), die mit dem Kopf durch die Wand geht und gar nicht bemerkt, dass die Türe direkt daneben weit offen steht.

Und eins weiß ich sicher – dieser Spruch da oben mag ja mein Konfirmationsspruch gewesen sein – aber er wird ganz sicher nicht in meiner letzten Anzeige stehen! Bis dahin habe ich das durch!

Mobbing am Arbeitsplatz – Teil 1


Wie es der Zufall will, habe ich gerade einen aktuellen Artikel mit dem Titel  „Mitarbeiter empfinden Jobs bei Amazon als „entwürdigend““ bei „derwesten.de“ gelesen, in dem „Ilka Meier“ erzählt, wie es bei „Amazon“ zugeht, wenn man da angestellt ist.
Sie schreibt z.B. „Und dann schildert sie von den morgendlichen Zusammenkünften, bei denen alle Kollegen vor einem Vorgesetzten stehen und Fragen beantworten müssen. Oder aus der Gruppe nach vorne kommen müssen, wenn sie gelacht oder auch nur „Hej!“ zu einem Kollegen gesagt haben. „Das hat etwas mit Vorführen zu tun“, sagt die 44-Jährige. „Und mit Schikane.““

mobbing gerd altmann pixelio

(Quelle: Gerd Altmann / pixelio.de)

Und mir wird übel, wenn ich daran denke, dass es bei mir genauso war. Ich durfte auch nicht Lachen oder jemanden freundlich grüßen, wenn die 4. Person in der Nähe war, weil ich dann auch direkt zusammengepfiffen und gefragt wurde, ob ich „eigentlich nichts zu tun hätte“. Ein wenig Frieden hatte ich nur, wenn ich mit gesenktem Kopf und möglichst „klein und unsichtbar“ in ihrer Nähe war. Für jemanden wie mich, die gerne fröhlich ist und sich um ihre Mitmenschen kümmert, war das oft gar nicht so einfach und ich konnte und wollte das auch nicht immer durchziehen. Manchmal war es mir einfach egal, ob ich mir nach meiner Freundlichkeit mal wieder heftig eine eingefangen habe. Allerdings hatte es IMMER harte Konsequenzen, dessen war ich mir sehr schnell bewusst. Zur Strafe bekam ich immer unmögliche Aufgaben, die ich kaum bis gar nicht erfüllen konnte bzw. bei denen ich wieder vorgeführt wurde und die sehr unangenehm waren. Und ich empfand das ebenfalls nur als Schikane, aus der ich allerdings nicht entfliehen konnte.

„Ilka Meier beschreibt weiter:
„Hinzu kam das dreifache Schlangestehen und Passieren der Sicherheitsschleuse am Tag (morgens, zur Pause und beim Ausgang), die ständige Überwachung und Kontrolle bei der Arbeit selbst und immer wieder die Angst vor Abmahnungen: Wenn man im Treppenhaus nicht den Handlauf benutzt hat, wenn das Paket falsch gepackt wurde oder sich das Klebeband löste, wenn man vergaß, die Werbung hineinzulegen – oder auch , wenn man zu oft auf Toilette ging. „Innerhalb des ersten Tages habe ich so viel von Vorschriften und Verboten gehört, dass ich dachte, das ist Dreck, hier zu arbeiten. Und dann noch so eingepfercht. Das war einfach entwürdigend. So etwas habe ich vorher nie erlebt.“ Dabei, betont sie, „habe ich gar kein Problem damit, dass ich mich an Regeln halten muss. Aber hier bekommt man das Gefühl, dass man nicht mehr als Mensch wahrgenommen wird, sondern als Produktionsmaschine.““

Diese ständige Kontrolle und Überwachung meiner Arbeit kenne ich auch nur zu gut. Ganz besonders ist mir das bei meiner Tätigkeit im Schreibdienst und im Krankenhaus mit Person 4 aufgefallen. Sei es durch die Kontrolle der Toilettengänge (wobei die beiden Cheffinnen sich tatsächlich Notizen über die Dauer und Häufigkeit aller Mitarbeiter  gemacht haben und uns auch darauf angesprochen haben). Ebenso ging es um banale Sachen wie das akkurate Ausrichten von Papierstapeln oder der dezente Hinweis, dass eine Blumenvase nicht in ein Büro gehört. (Ach? Echt nicht? Also – ICH finde Blumen sehr schön und meinen Besuchern fielen sie auch immer positiv auf. Ich fürchte, GERADE DESHALB wollten meine Cheffinnen nicht, dass ich einen kleinen Blumenstrauß oder eine Topfpflanze auf dem Tisch oder der Fensterbank habe. Ich glaube ebenfalls, dass gerade deshalb die eine oder andere Blume daher zu Bruch ging, weil man ja GENAU AN DIESE Stelle ganz dringend einen großen Stapel Papiere ablegen musste). Mir dreht sich immer noch der Magen um, wenn ich daran denke. Wie arm und frustriert müssen diese Menschen gewesen sein, dass sie es nötig haben, jemanden ständig so zu drangsalieren? Ich habe ja einen seeeeehr langen Geduldfaden und sehe über viele Dinge einfach hinweg. Aber steter Tropfen höhlte auch meine Schale irgendwann aus und ich fühlte mich einfach nur noch ständig verletzt.

Quelle und vollständiger Text:
http://www.derwesten.de/staedte/kamen/mitarbeiter-empfinden-jobs-bei-amazon-als-entwuerdigend-id7360265.html

feuer und flamme_by_I.Friedrich_pixelio.de

(Quelle: I. Friedrich / pixelio.de)

Ich hatte auch wunderbare Arbeitstellen, z.B.  mit einem Chef, der sehr klug war und es nicht nötig hatte, auf  dieser mentalen, untersten Schiene zu arbeiten. Als ich seine sehr guten und logisch nachvollziehbaren, wenn auch sehr komplizierten Fachtexte im Schreibdienst abgetippt habe, kam in mir zum ersten Mal der Wunsch auf, eine Sekretärin sein zu wollen. Ja – ich stehe darauf, wenn sich jemand sehr gut und verständlich ausdrücken kann!  Er stellte hohe Ansprüche – an sich selbst und an andere – und er konnte sie auch meistens erfüllen. Mich reizte die Herausforderung, besonders anspruchsvolle und knifflige und auch außergewöhnliche Aufgaben in Angriff zu nehmen und ihm sehr gut zuarbeiten und ihn somit unterstützen zu können. Es war ziemlich hart – besonders am Anfang. Er hatte nie zuvor eine Sekretärin gehabt. Wir mussten uns in vielen Bereichen erstmal zusammenraufen. Aber er hat mir als Vorgesetzter von Anfang an die helfende Hand gereicht und mich auf sein Level mitgenommen. Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, mit seinen enormen Ansprüchen zu wachsen und ich habe bei ihm so viel gelernt, wie nie zuvor. Wir haben uns beide gegenseitig immer weiter gebracht und viele neue Impulse gegeben. Ich habe sehr, sehr viel gearbeitet und hatte kaum Privatleben, aber ich habe es genossen, dass ich diejenige sein konnte, die das alles mitgetragen hat und nicht unter der Last der Arbeit, der Komplexität der Aufgaben, der unmöglichen Wege, der Erarbeitung neuer Programme und der besonderen Zusammenarbeit davongelaufen ist, sondern sehr viel Neues lernen konnte. Auch innerhalb der Firma sind wir sehr innovative Wege gegangen und haben neue Lösungen einführen können. Das war genau mein Ding und ich war Feuer und Flamme für diesen Job (passend zur Abteilung 😉 ! Ich hatte zwar ständig irgendwo tief in mir die Angst, dass ich den Ansprüchen nicht genügen würde oder dass auffällt, dass ich gar nicht viel weiß und in vielen Fällen inkompetent bin. Diese Angst kenne ich ja schon aus meiner Kindheit und sie ist bis heute geblieben.  Ganz oft konnte ich nicht schlafen, weil ich nicht wusste, ob ich die Aufgaben am nächsten Tag schaffen kann oder wie ich die Probleme lösen kann oder ob ich zu dumm dazu bin.  Aber irgendwie hat das immer geklappt. Wäre diese blöde Angst nicht da, wäre es wohl noch besser gelaufen.

Irgendwann wurde unsere Abteilung an eine andere Großfirma verkauft. Es wurde noch härter, wir mussten uns immer weiter verteidigen und rechtfertigen und noch mehr arbeiten. Ich stand immer zu dem, was ich gemacht habe bzw. war immer loyal meinem Chef gegenüber. Er hatte mein Vertrauen – und ich seines. Und wir waren wirklich gut als Team.

Dann wurde ich schwanger und zwei Tage später erfuhr ich, dass unsere Abteilung geschlossen wird. Ironie des Schicksals möglicherweise! Wir haben bis zum Schluss hart weitergearbeitet. Meine Wehen kamen durch diese harte Arbeit 8 Wochen zu früh. Vier Wochen vor dem Geburtstermin kam im September meine Tochter zur Welt.  Zu meiner Hochzeit im März kamen alle Kollegen und auch mein Chef. Zur Geburt bekam ich dann noch vereinzelt Glückwunschkarten und auch einen Besuch von meinem Chef und seinem ersten Mitarbeiter. Danach habe ich nichts mehr von ihnen gehört.

Bei meiner Tätigkeit in einer Klinik hatte ich ebenfalls Vertrauensstellungen. Ich war auch hier direkt unterhalb der Geschäftsführung tätig, hatte mehrere Bereiche zu versorgen, die vorher noch nie zusammengefasst waren. Als ich mit meiner Arbeit angefangen habe, verriet man mir, dass man viel Hoffnung auf mich setzen würde, z.T. zerstrittene Bereiche wieder zentral zusammenzuführen. In gewisser Weise gelang mir das auch, da alles Geschäftliche in irgendeiner Form bei mir ankam und von mir bearbeitet bzw. weitergeleitet wurde. Ich war Schnittstelle zwischen Ärzten und Leitung, Vertrauensperson für Schüler und Lehrer, Anlaufstelle, Telefonjoker, Chefsekretärin der leitenden Stellen, Ansprechpartnerin für Schulungen, Raumreservierung, Umräumen von Räumen, Besprechungszimmer-Vorbereiterin, Rezeptionistin einer Schule und …. blöde Tippse ohne Beachtung für Nr. 4 und bearbeitete nebenbei noch ca. 7000 Bewerbungen pro Jahr. Und das alles als Halbtagsjob (zumindest offiziell). Ich hatte Zugang zu vertraulichen Informationen und Räumen und ich war immer zuverlässig und loyal. Auch hier habe ich sehr viel gearbeitet, Unmengen an Überstunden geleistet, Arbeit mit nach Hause genommen und mir dafür extra einen neuen Computer angeschafft, weil mein alter mit den Programmen nicht mehr klargekommen ist. Diese Arbeitsstelle war meine zweite Wunschstelle in meinem Leben. Auch hier war ich sehr engagiert, Feuer und Flamme, habe geleuchtet und geführt und sehr viel erreicht, auch wenn es sehr schwer war. Und leider hat u.a. das Mobbing von Nr. 4  dazu geführt, dass  mir irgendwann die Kraft und das Licht ausging und ich letztendlich in Frührente gehen musste.

burnout by Petra Bork pixelio

(Quelle: Petra Bork  / pixelio.de)

Fortsetzung folgt …

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